
Er wird als „groesster Tenor der Welt“ bezeichnet – vom Telegraph, von der New York Times, von Kritikern auf fuenf Kontinenten. Jonas Kaufmann aus Muenchen ist in der Welt der klassischen Musik das, was andere Genres einen Superstar nennen wuerden. Ausverkaufte Opernhaeuser von New York bis Tokio, ein Repertoire von ueber 70 Rollen, elf OPUS Klassik-Preise und eine Karriere, die nach ueber drei Jahrzehnten noch immer auf dem Hoehepunkt steht.
Was ihn besonders macht: Er ist nicht nur ein Saenger. Er ist ein Gestalter, ein Sinndeuter, ein Kuenstler, dem es um die Geschichte hinter der Musik geht – nicht nur um den perfekten Ton.

Wer ist Jonas Kaufmann?
Jonas Kaufmann wurde am 10. Juli 1969 in Muenchen geboren. Seine Eltern fuehrten ein buergerliches Leben – Vater im Versicherungsbereich, Mutter Kindergaertnerin. Klassische Musik war kein Familienerbe, sondern eine persoenliche Entdeckung: die Schallplattensammlung des Vaters.
Mit acht Jahren begann er Klavier zu lernen, sang in Schulchoeren, interessierte sich aber zunaechst eher fuer Mathematik. Dass er ueberhaupt Saenger wurde, hat er letztlich einer Entscheidung mit 19 Jahren zu verdanken: 1989 meldete er sich an der Hochschule fuer Musik und Theater Muenchen an. Kein klarer Masterplan – eher einem inneren Zug gefolgt.
1994 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab, in Oper und Konzertgesang. Sein erstes festes Engagement fuehrte ihn ans Staatstheater Saarbrucken.
Der Weg nach oben – langsam, dann schnell
Kaufmanns Aufstieg verlief nicht steil, sondern organisch. Nach Saarbrucken folgten Engagements in Stuttgart, Frankfurt und Hamburg. 1995 begegnete er dem amerikanischen Bariton Michael Rhodes, der seine Technik grundlegend veraenderte – und damit seine gesamte Karriere.
2001 wechselte Kaufmann an die Oper Zurich, wo er ein breites Repertoire aufbaute. Von hier aus startete seine internationale Karriere.
Der eigentliche Durchbruch auf der weltgroessten Buehne: 2006, sein Debut an der Metropolitan Opera New York in Verdis „La Traviata“ als Alfredo. Publikum und Kritik reagierten mit Begeisterung. Seitdem ist er dort regelmaessiger Gast.
2010 folgte das Debut bei den Bayreuther Festspielen als Lohengrin in der kontroversen Inszenierung von Hans Neuenfels – eine Rolle, die er seitdem an vielen Haeusern erfolgreich interpretierte.
Die Stimme – was sie so besonders macht
Was Kaufmann von anderen Tenoren seiner Generation unterscheidet, ist nicht allein die technische Brillanz. Es ist die Kombination aus strahlenden Hoehen, einer ungewoehnlich dunklen, fast baritonalen Mittellage und einer Faehigkeit, Texte zu durchdringen, als waere er der Erste, der sie singt.
Die New York Times beschrieb seine Stimme als eine Mischung aus „Klarheit der hoechsten Noten“ und „einer Verbindung von Vitalitaet und Zaertlichkeit“. Das Londoner Daily Telegraph nannte ihn den „groessten Tenor der Welt“.
Zu seinen Paraderolle zaehlen:
- Don Jose in Bizets „Carmen“
- Cavaradossi in Puccinis „Tosca“
- Lohengrin und Parsifal bei Wagner
- Werther bei Massenet
- Otello und Don Carlos bei Verdi
- Siegmund in Wagners „Walkuere“
Diese Vielseitigkeit ist aussergewoehnlich. Die meisten Tenore spezialisieren sich – auf das Italian Fach oder auf Wagner. Kaufmann bewegt sich muehelos in beiden Welten.
Privatleben – Familie und Neuanfang
Jonas Kaufmann war von 2001 bis 2016 mit der Saengerin Margarete Joswig verheiratet. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder. Nach der Scheidung heiratete er 2019 die Schauspielerin Christiane Lutz, die unter anderem als Regisseurin arbeitet. Aus dieser Ehe ist ein weiteres Kind hervorgegangen.
Kaufmann ist bekannt dafuer, sein Privatleben zurueckhaltend zu behandeln. Interviews gibt er selektiv, oeffentliche Auftritte ausserhalb der Buehne sind selten.
Auszeichnungen – ein beeindruckendes Register
Die Ehrungen, die Jonas Kaufmann im Laufe seiner Karriere erhalten hat, sind aussergewoehnlich:
11 ECHO/OPUS Klassik-Awards, einer der renommiertesten Preise fuer klassische Musik im deutschsprachigen Raum.
Mehrfach Saenger des Jahres in Fachmagazinen wie „Opernwelt“, „Diapason“ und „Musical America“.
2018 Aufnahme in den Ordre des Arts et des Lettres (Ritter) – eine der hoechsten franzoesischen Kulturauszeichnungen.
2018 Bayerischer Maximiliansorden, verliehen durch den bayerischen Ministerpraesident.
2022 Ernennung zum oesterreichischen Kammersaenger – eine der hoechsten kuenstlerischen Anerkennungen des Landes.
2024 Aufnahme in den Ordre de la Legion d’honneur – Frankreichs hoechste Auszeichnung ueberhaupt.
2025 Goldene Johann Strauss-Medaille der Johann Strauss Gesellschaft Wien.
Juni 2026 Verleihung der Ehrendoktorwuerde der Krakauer Musikakademie.
Intendant der Tiroler Festspiele Erl
Seit 2024 traegt Jonas Kaufmann eine neue Verantwortung: Er wurde zum Intendanten der Tiroler Festspiele Erl ernannt – einem der bedeutendsten Musikfestivals im deutschsprachigen Raum, bekannt fuer sein Wagner-Programm.
Diese Aufgabe zeigt eine neue Dimension Kaufmanns: nicht mehr nur Interpret, sondern Gestalter. Als Intendant entscheidet er ueber kuenstlerische Ausrichtung, Programm und Besetzung – eine Verantwortung, die weit ueber die eigene Buehne hinausgeht.
In seiner ersten Saison 2025 sang er selbst die Titelrolle in Wagners „Parsifal“ beim Festival.

Aktuelle Entwicklungen 2025/2026
Die juengsten Monate von Jonas Kaufmanns Karriere waren ereignisreich – kuenstlerisch wie oeffentlich.
Ende 2025 machte er eine Aussage, die international Aufmerksamkeit erregte: Er erklaerte, vorerst nicht mehr an der Metropolitan Opera New York und nicht mehr am Royal Opera House London auftreten zu wollen. Als Begruendung nannte er bei der Met die Behandlung von Chor und Orchester waehrend der Corona-Pandemie, die nicht fuer ausgefallene Vorstellungen bezahlt worden seien. In London kritisierte er die im Verhaeltnis zu den hohen Lebenshaltungskosten zu niedrigen Gagen fuer Ensemblemitglieder.
Fruehjar 2026 wurde sein Name im Zusammenhang mit einer Untersuchung des Teatro San Carlo in Neapel wegen angeblicher Veruntreuung oeffentlicher Gelder erwaehnt. Kaufmann reagierte ueberrascht und erklaerte, er habe seine vertraglichen Verpflichtungen stets vollstaendig erfuellt.
September 2024 veroeffentlichte er das Album „Doppelgaenger“ auf Sony Classical – mit Schumann-Liedern und dem Video-Mitschnitt von Schuberts „Schwanengesang“, inszeniert von Claus Guth in New York.
In der Saison 2025/26 trat er unter anderem als Cavaradossi in „Tosca“ in Zuerich und Paris auf, sowie als Eisenstein in Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“ an der Wiener Staatsoper zu Silvester – eine neue Rolle und ein Rollendebut zugleich.
Das Kunstlied – eine Herzenssache
Neben seinen Opernauftritten ist Jonas Kaufmann einer der bedeutendsten Interpreten des deutschen Kunstlieds. In langjaehriger Zusammenarbeit mit dem Pianisten Helmut Deutsch hat er preisgekroente Aufnahmen von Schubert, Schumann, Richard Strauss, Mahler und Liszt eingespielt.
Das Kunstlied, betont Kaufmann, ist fuer ihn keine Pflichtaufgabe zwischen Opernauftritten – sondern eine eigenstaendige, „einzigartige und intensive“ Kunstform, die er als gefaehrdet betrachtet, wenn Saenger sie nicht aktiv pflegen und aufuehren.
Aehnlich wie Annette von Aretin das bayerische Fernsehen und Radio ueber Jahrzehnte praegte, ist auch Jonas Kaufmann eine Figur, die das kulturelle Leben Muenchens und Bayerns weit ueber seine eigene Buehne hinaus beeinflusst.
Fazit
Jonas Kaufmann ist kein Relikt vergangener Opernzeiten. Er ist ein lebendiger Beweis dafuer, dass klassische Musik im 21. Jahrhundert ein globales Publikum finden kann – wenn sie von Menschen interpretiert wird, die nicht nur singen, sondern erzaehlen. Als Tenor, als Intendant, als Kunstlied-Interpret und als offentliche Stimme der Opernwelt ist er eine der wichtigsten Figuren der zeitgenoessischen Musikkultur.
Mehr zu Jonas Kaufmann auf seiner offiziellen Webseite.
Haeufig gestellte Fragen zu Jonas Kaufmann
Welche sind die bekanntesten Rollen von Jonas Kaufmann? Don Jose (Carmen), Cavaradossi (Tosca), Lohengrin, Parsifal, Werther, Otello und Siegmund (Die Walkuere) gehoeren zu seinen bedeutendsten Rollen.
Wie viele Opernrollen hat Jonas Kaufmann aufgefuehrt? Ueber 70 verschiedene Opernrollen in seiner mehr als 30-jaehrigen Karriere.
Wo kann man Jonas Kaufmann live sehen? An der Bayerischen Staatsoper Muenchen, der Wiener Staatsoper, der Scala Mailand und bei den Tiroler Festspielen Erl, deren Intendant er seit 2024 ist. Aktuelle Termine findet man auf jonaskaufmann.com.
Hat Jonas Kaufmann Aufnahmen und Alben? Ja, eine umfangreiche Diskografie. Sein juengstes Album „Doppelgaenger“ (2024, Sony Classical) enthaelt Schumann und Schubert. Besonders bekannt sind seine Kunstlied-Aufnahmen mit Helmut Deutsch.
Welche Sprachen singt Jonas Kaufmann? Er singt Opern auf Deutsch, Italienisch, Franzoesisch und Englisch – authentisch in der jeweiligen Originalsprache.
Wie lange ist Jonas Kaufmann schon aktiv? Seit 1994, also seit ueber 30 Jahren, auf professionellem Niveau.
Warum tritt Jonas Kaufmann nicht mehr an der Met auf? Ende 2025 erklaerte er, vorerst nicht mehr an der Metropolitan Opera New York auftreten zu wollen, als Reaktion auf die Behandlung von Chor und Orchester waehrend der Corona-Pandemie.