
Es gibt Menschen, die Geschichte schreiben, indem sie reden. Und es gibt Menschen, die Geschichte schreiben, indem sie es nie tun. Klara Szalantzy gehört zur zweiten Gruppe — und das macht ihre Geschichte zu einer der faszinierendsten, schmerzhaftesten und am wenigsten verstandenen der deutschen Sportgeschichte.
Ein Name, der immer in Verbindung mit anderen steht
Wer heute nach Klara Szalantzy sucht, findet vor allem zwei andere Namen: Dražen Petrović und Oliver Bierhoff. Der eine, weil er in jenem roten Golf starb, den sie am 7. Juni 1993 auf der Autobahn A9 bei Denkendorf fuhr. Der andere, weil sie ihn 2001 heiratete und seitdem seinen Nachnamen trägt. Klara Bierhoff, geborene Szalantzy — eine Frau, die in der öffentlichen Wahrnehmung stets die Nebenrolle in fremden Lebensgeschichten übernimmt, obwohl ihr eigenes Leben alles andere als nebenläufig ist.
Geboren am 31. März 1970 in München, mit ungarischen Wurzeln, die ihr den Nachnamen Szalantzy gaben, war Klara keine Frau, die in der Anonymität aufwuchs. Sie spielte Basketball in der 2. Bundesliga bei den München Baskets, war gleichzeitig als Model tätig — eine Kombination, die in den frühen 1990er Jahren ungewöhnlich war und die eine Persönlichkeit verrät, die sich nicht in eine Schublade drängen lässt.
Der 7. Juni 1993: Eine Straße, die alles veränderte
In den Nachmittagsstunden des 7. Juni 1993 kam Klara Szalantzy zusammen mit ihrer Freundin Hilal Edebal, einer türkischen Basketballspielerin, zum Frankfurter Flughafen, um ihren damaligen Freund Dražen Petrović abzuholen. Petrović war damals 28 Jahre alt, NBA-Star bei den New Jersey Nets, und galt als einer der besten Basketballspieler der Welt — ein Mann, dem Hall-of-Fame, NBA-Titel und MVP-Auszeichnungen als nahezu sichere Zukunft galten.
Auf der Autobahn kam es zum Unfall: Petrović, der auf dem Beifahrersitz schlief und keinen Sicherheitsgurt trug, überlebte den Aufprall nicht. Klara Szalantzy und Hilal Edebal erlitten schwere Verletzungen. Klara verbrachte danach sieben Tage auf der Intensivstation.
Was die Polizeiermittlungen ergaben, ist bis heute Gegenstand verschiedener Darstellungen. Ein Lastwagen hatte die Spur gewechselt, um einem anderen Fahrzeug auszuweichen, und versperrte plötzlich alle drei Fahrspuren. Klara habe versucht auszuweichen — doch bei der gefahrenen Geschwindigkeit war eine rechtzeitige Reaktion kaum möglich. Strafrechtliche Konsequenzen gab es für sie keine.
Das Schweigen als einzige Antwort
Hier beginnt das Phänomen, das Klara Szalantzy von fast allen anderen Beteiligten an öffentlichen Tragödien unterscheidet: Sie hat sich zu den letzten Momenten von Dražen Petrović bis heute nie öffentlich geäußert. Keine Interviews, keine Aussagen, keine Stellungnahmen. In einer Medienlandschaft, die Bekenntnisse und Beichten als Währung der Teilnahme behandelt, wählt sie konsequent den Rückzug.
Diese Stille wurde von manchen als Kälte interpretiert. Petrovi´cs Mutter Biserka äußerte sich über die Jahre hinweg scharf und unverhohlen kritisch über Klara. Andere sahen in dem Schweigen etwas, das vielleicht verständlicher ist als jedes gesprochene Wort: die einzige Form des Selbstschutzes, die einer Person bleibt, die in wenigen Sekunden den Menschen verloren hat, den sie liebte — und dabei selbst fast gestorben ist.
Was hätte Klara sagen sollen? Dass sie trauert? Das bezweifelt niemand ernsthaft. Dass sie Schuld trägt? Die Ermittlungen stellten keine strafrechtliche Verantwortung fest. Dass sie sich erinnert? Womöglich ist das Vergessen das Einzige, was nach sieben Tagen Intensivstation und dem Wissen um den Tod des anderen blieb. Das Schweigen von Klara Szalantzy ist kein Hinweis auf Gleichgültigkeit — es ist vielleicht die einzige ehrliche Reaktion auf eine Situation, für die es keine Worte gibt.
Wiederaufbau: Basketball, Model, Studium
Nach ihrer Genesung kehrte Klara Szalantzy sowohl zum Basketball als auch zum Modeln zurück. Dieser Schritt wird in vielen Berichten beiläufig erwähnt, dabei verdient er mehr Aufmerksamkeit: Weiterzumachen — das eigene Leben nicht einzufrieren in dem Moment, in dem alles zerbrochen ist — ist keine Kälte. Es ist Überlebenswille.
Klara Szalantzy absolvierte zudem ein Studium der Geschichte an der Fernuniversität Hagen. Eine Entscheidung, die zeigt, dass diese Frau stets mehr war als die Rollen, die ihr die Öffentlichkeit zuschrieb: Fan, Freundin, Fahrerin, Spielerfrau. Sie ist eine Frau mit eigenem Intellekt, eigenem Weg.
1996 lernte sie Oliver Bierhoff bei einer Sendung des Deutschen Sportfernsehens kennen. Die Beziehung wuchs über Jahre. Am 22. Juni 2001 heirateten die beiden standesamtlich im Marmorsaal von Schloss Mirabell in Salzburg, einen Tag später folgte die kirchliche Trauung im bayerischen Mühldorf am Inn. Bierhoff beschrieb sie damals schlicht als „die Frau meines Lebens.“
Ein Leben, das von Verlusten gezeichnet bleibt
Am 27. Januar 2007 wurde die gemeinsame Tochter von Klara und Oliver Bierhoff geboren — ein Moment des Glücks nach Jahren, die alles andere als einfach gewesen waren. Doch auch danach blieb das Schicksal nicht gnädig.
Im Jahr 2010, während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, verlor Klara Szalantzy ihr zweites Kind im achten Schwangerschaftsmonat. Und noch im selben Jahr starb ihr Bruder Ladislaus Szalantzy, der wie der Vater als Zahnarzt tätig gewesen war. Zwei Verluste in einem einzigen Jahr — nach dem, was 1993 geschehen war.
Wer die Lebenschronologie von Klara Szalantzy nüchtern auflistet, stößt auf eine Dichte an persönlichen Krisen, die bei den meisten Menschen ein öffentliches Zerbrechen ausgelöst hätten. Bei ihr nicht. Oder zumindest: nicht sichtbar.
Die Frau hinter dem Namen: Zurückgezogen am Starnberger See
Heute lebt Klara Szalantzy mit ihrer Familie am Starnberger See und hält trotz der öffentlichen Rolle ihres Mannes bewusst Distanz zu den Medien. Sie engagiert sich im Elternbeirat des Integrativen Montessori Kinderhauses in Aufkirchen bei Starnberg. Kein gesellschaftlicher Auftritt, den sie nicht muss. Kein Interview, das sie gibt. Eine Frau, die ihr Leben lebt — und es dabei für sich behält.
Das ist keine Passivität. Es ist eine Haltung. Und in einer Zeit, in der Sichtbarkeit mit Substanz gleichgesetzt wird, ist diese Haltung fast schon radikal.
Oliver Bierhoff — der nach dem WM-Desaster 2022 als DFB-Direktor zurückgetreten ist — hat in den Jahren seiner öffentlichen Karriere stets dafür gesorgt, dass Klara nicht zur Staffage wurde. Ihr gemeinsames Auftreten war sparsam, aber wenn, dann auf Augenhöhe: keine Accessoire-Frau im Hintergrund, sondern eine Partnerin.
Was das Schweigen über uns sagt
Das Interessanteste an Klara Szalantzy ist vielleicht nicht ihre Geschichte selbst, sondern die Art, wie wir mit ihr umgehen. Wir wollen, dass sie spricht. Wir wollen hören, wie es sich anfühlt, wenn man überlebt und der andere nicht. Wir wollen Reue, Erklärungen, Tränen. Wir konstruieren Narrative über sie — „Monster“ oder „tragische Heldin“ — weil das Schweigen uns unbehaglicher macht als jede Aussage.
Dabei ist dieses Unbehagen lehrreich. Es zeigt, wie sehr wir Opfern von Tragödien das Recht auf eine eigene, unkommentierte Trauer absprechen. Klara Szalantzy hat niemanden getötet im rechtlichen Sinne. Sie hat einen Unfall gehabt, bei dem sie selbst schwer verletzt wurde und einen Menschen verloren hat, den sie liebte. Dass sie darüber nicht spricht, ist ihr gutes Recht — und vielleicht ihre klügste Entscheidung.
FAQ: Häufige Fragen zu Klara Szalantzy
Wer ist Klara Szalantzy? Klara Szalantzy, heute Klara Bierhoff, ist eine am 31. März 1970 in München geborene ehemalige Basketballspielerin und Model mit ungarischen Wurzeln. Sie ist bekannt durch ihre frühere Beziehung zu Dražen Petrović und ihre Ehe mit dem deutschen Fußballspieler Oliver Bierhoff.
Was ist am 7. Juni 1993 auf der Autobahn passiert? Klara Szalantzy holte ihren damaligen Freund Dražen Petrović zusammen mit einer Freundin vom Frankfurter Flughafen ab. Auf der A9 bei Denkendorf kam es zu einem Unfall mit einem Lastwagen, der die Fahrbahn versperrte. Petrović, der schlief und nicht angeschnallt war, kam ums Leben. Klara Szalantzy überlebte schwer verletzt, ohne strafrechtliche Konsequenzen.
Warum hat sich Klara Szalantzy nie öffentlich zu dem Unfall geäußert? Das ist nicht bekannt — sie hat sich dazu nie erklärt, was konsequenterweise zum Schweigen gehört. Es gibt keine strafrechtliche Verurteilung und keine öffentliche Pflicht zur Stellungnahme. Spekulationen darüber bleiben Spekulation.
Wann hat Klara Szalantzy Oliver Bierhoff geheiratet? Die beiden lernten sich 1996 kennen und heirateten am 22. Juni 2001 in Salzburg. Seit der Hochzeit trägt sie den Nachnamen Bierhoff. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, geboren am 27. Januar 2007.
Wo lebt Klara Szalantzy heute? Sie lebt zurückgezogen mit ihrer Familie am Starnberger See in Bayern. Sie tritt kaum öffentlich auf und gibt keine Interviews, engagiert sich jedoch lokal im Schulumfeld ihrer Tochter.
Fazit
Klara Szalantzy ist kein Rätsel, das gelöst werden muss. Sie ist eine Frau, die mehr als einmal mit dem Schlimmsten konfrontiert wurde — und die sich entschieden hat, das Innerste davon für sich zu behalten. In einer Medienkultur, die Offenbarung als Tugend und Schweigen als Schuld behandelt, ist das eine stille Form von Stärke. Der eigentliche Take-away: Nicht jede Geschichte gehört der Öffentlichkeit — auch wenn die Öffentlichkeit das nie aufhört zu glauben.
Aktuelle Blogbeiträge: Diane Schumacher
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